Stoffwechsel I – ein interaktives System

  • Geschrieben von RR
  • Publiziert in BlogHealthy
  • Datum: Montag, 15 Februar 2021 16:54
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Was ist der Stoffwechsel? Was passiert da und warum sind Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette so wichtig? Die Antwort ist nicht einfach, wie so oft...

Von Verdauung, Denaturierung und Intermediärstoffwechsel

Was ist der Stoffwechsel? Ist Verdauung das gleiche? Was passiert da im Körper? Der Mensch gewinnt aus Nahrung Energie, Speichersubstanzen und Baustoffe. Der Stoffwechsel ist das fein regulierte System von Aufbau und Abbau mit zahlreichen Funktionswegen. Erfahren Sie hier mehr über die Hauptnährstoffe, warum Verdauung und Stoffwechsel nicht das gleiche sind und wie der Körper es schafft, in Balance zu bleiben. VerdauungssystemAlles beginnt mit der Nahrungsaufnahme. Was wir essen und trinken bestimmt, was unserem Körper zur Verfügung steht. Neben reichlich Flüssigkeit braucht er Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett.

Verdauung und Stoffwechsel der Eiweiße

Eiweiße sind die Baustoffe des Körpers. Jedes Eiweiß besteht aus vielen kleinen Bausteinen, den Aminosäuren. Sie sind in langen Ketten zusammengesetzt und zu einer Art Knäuel mit dreidimensionaler Struktur verschlungen. Verschiedene Eiweiße sind unterschiedlich zusammengesetzt, die rund 20 verschiedenen Aminosäure-Bausteine jedoch immer gleich. Mit ihrer Struktur übernehmen die Eiweiße im Körper viele Funktionen. Die Verdauung, also Magen und Darm, zerlegen das Eiweiß aus der Nahrung in seine Aminosäuren. Diese werden aus dem Darm in den Körper aufgenommen und so Teil des Stoffwechsels. Jetzt können sie zu körpereigenen Eiweißen aufgebaut werden, zum Beispiel zu Hormonen, Enzymen oder Zellen. Damit dem Körper genug Bausteine zur Verfügung stehen, benötigen gesunde Erwachsene knapp ein Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Eine 70 Kilogramm schwere Person also 70 Gramm Eiweiß. Zum Vergleich liefern:

  • 1 Portion Haferflocken (50 g): rund sechs Gramm Eiweiß
  • 1 Portion Tofu (ca. 100 g): acht Gramm Eiweiß
  • 1 Portion gegarte Linsen (150 g): gut 13 Gramm Eiweiß

Damit der Körper alle Eiweiße aufbauen kann, die er braucht, ist es wichtig, dass er alle Aminosäuren zur Verfügung hat. Allerdings liefern Eiweiße aus verschiedenen Quellen unterschiedliche Mengen der Bausteine. Je ähnlicher die Zusammensetzung den körpereigenen Eiweißen ist, desto besser kann der Mensch sie verwerten. Ein sehr wichtiger Punkt dabei ist, dass sich Eiweißquellen ergänzen können, denn kaum eine Eiweißquelle liefert alle Bausteine in genau dem richtigen Verhältnis. Bei den pflanzlichen Eiweißlieferanten ergänzen sich Getreide und Hülsenfrüchte besonders gut.

Was bedeutet Denaturieren?

Denaturieren bedeutet, dass ein Eiweiß verändert wird. So lösen sich beim Erhitzen über etwa 40 Grad Celsius die Verbindungen, die den Eiweißen ihre Form geben. Dieser Vorgang heißt Denaturieren. Die Aminosäuren der Eiweiße bleiben erhalten. Der Körper kann sie zum Aufbau körpereigener Eiweiße verwenden. Anhänger der Rohkost-Ernährung gehen davon aus, dass zwischen der Eiweißzerstörung durch das Kochen und den Veränderungen in der Verdauung ein Unterschied besteht. Das beschreibt schon Arzt und Ernährungsforscher Werner Kollath in seinem Buch „Die Ordnung der Nahrung“. Er vertritt die Ansicht, dass Lebensmittel umso hochwertiger für den Körper sind, je weniger sie vor dem Verzehr bearbeitet wurden.

Verdauung und Stoffwechsel der Kohlenhydrate

Kohlenhydrate sind eine große Stoffgruppe. Dazu zählen Zucker, aber auch Stärke und Ballaststoffe. Ballaststoffe spielen vor allem in der Verdauung eine Rolle. Zucker sind die kleinsten Kohlenhydrat-Teilchen. Am bekanntesten dürften Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) sein. Stärke ist aus vielen Glukose-Bausteinen zusammengesetzt. Kohlenhydrate werden aus dem Darm in den Körper aufgenommen. Einfachzucker wir Fruktose und Glukose können direkt in den Körper gelangen. Stärke und andere zusammengesetzte Kohlenhydrate müssen erst zerlegt werden. Der Stoffwechsel der Kohlenhydrate finden in den Zellen statt. Hier spielt Glukose die zentrale Rolle. Sie ist das Grundmolekül der Energiegewinnung, die den ganzen Körper antreibt. Überschüssige Glukose wird zum Beispiel in den Muskeln gespeichert. Dazu verbinden sich viele einzelne Moleküle zur Speichersubstanz Glykogen, einer wichtigen Energiereserve.

Verdauung und Stoffwechsel der Fette

Fette heißen in der Fachsprache auch Triglyceride. Sie bestehen aus einem Glycerin-Molekül mit bis zu drei angehängten Fettsäuren. Diese können gesättigt, ungesättigt oder mehrfach ungesättigt sein. Gesättigte Fettsäuren stecken zum Beispiel in Fleisch und Milchprodukten. Ungesättigte und mehrfach ungesättigte finden sich in Nüssen, Samen und fettreichen Fischsorten. Triglyceride werden im Darm von den Verdauungsenzymen in Glycerin und Fettsäuren zerlegt und erst dann in den Körper aufgenommen. Dort können Fettsäuren verschiedene Stoffwechselwege beschreiten. Einige werden zu Hormonen und Botenstoffen, andere dienen der Energiegewinnung oder als Speichersubstanz. In letzter Zeit empfehlen Ernährungsexperten, mehr pflanzliche Öle und ungesättigte Fettsäuren zu verzehren. Deren ungesättigte Fettsäuren können positive Effekte für Herz, Kreislauf und Körper haben.

Der Stoffwechsel

Die vorherigen Absätze zeigen, dass die Verdauung die entscheidende Vorarbeit für den Stoffwechsel leistet. Denn nach der Aufnahme aus dem Darm stehen dem Körper die Moleküle zur Verfügung, die er im Stoffwechsel braucht. Hier sind der aufbauende (anabole) und abbauende (katabole) Stoffwechsel zu unterscheiden. Zu den anabolen Prozessen gehört die Synthese der Speichersubstanz Glykogen aus Glukose oder der Aufbau von Muskelsubstanz mit Eiweißen. Katabol wiederum ist der Abbau von Glykogen oder die Energiegewinnung durch den Abbau von Glukosemolekülen.
StoffwechselDie Schnittstelle zwischen den aufbauenden und abbauenden Stoffwechselwegen heißt Intermediärstoffwechsel. Hier werden Stoffe je nach Bedarf aus dem Anabolismus oder dem Katabolismus entnommen und weiterverarbeitet. Aufbauende und abbauende Prozesse sind eng verzahnt. So verwenden zum Beispiel Aufbauprozesse die Energie aus dem Abbau. Alle diese Stoffwechselprozesse werden von Enzymen und Hormonen gesteuert, die in komplizierten Regelkreisen auf mehreren Ebenen zusammenhängen. Im gesunden Stoffwechsel sind alle Wege fein ausbalanciert. Überall gibt es Sicherungen und mögliche Rückreaktionen, die einen reibungslosen Ablauf sicherstellen sollen.

Blutzuckerspiegel

Ein anschauliches Beispiel ist die Regulation des Blutzuckerspiegels. Beim Gesunden wird er in einem sehr engen Bereich stabil gehalten. Steigt der Blutzucker über ein bestimmtes Maß, schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin aus. Insulin hilft dabei, Glukose in die Zellen von Leber und Muskeln aufzunehmen. Gleichzeitig wird keine neue Glukose freigesetzt. Der Blutzuckerspiegel sinkt, die Insulinausschüttung stoppt. Ist der Blutzuckerspiegel hingegen niedrig, schüttet die Bauchspeicheldrüse das Hormon Glucagon aus. Es bewirkt einen verstärkten Abbau von Glykogen aus den Speichern und fördert die Neubildung von Glukose in der Leber. Der gestiegene Blutzuckerspiegel ist wiederum das Signal für den Körper, kein weiteres Glucagon auszuschütten. Der Körper kann also fein regulieren, wie viel Glukose das Blut enthält.

Alles in Balance

Ganz grundsätzlich ist es so: Wer sich frisch und bunt ernährt, hat gute Chancen dem Körper alle Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, die er braucht. Der Fokus sollte dabei auf frischen und unverarbeiteten Lebensmitteln liegen. Sie liefern dem Körper naturbelassene Nährstoffe, aus denen er Energie ziehen kann. Im Rahmen des Stoffwechsels sorgen viele Mechanismen dafür, dass alle Zellen und Organe die richtige Menge Energie und Baustoffe im richtigen Moment erhalten. Nur so können wir Denkaufgaben bewältigen oder Sport treiben, Einkaufen gehen oder im Café sitzen. Der Körper ist eine ausbalancierte Maschinerie, der wir es mit einer naturbelassenen und möglichst unverarbeiteten Ernährung ermöglichen können, lange und reibungslos zu funktionieren.

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